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Intellektuelles Kapital und Wettbewerbsfähigkeit (2012)

(jm)
»Wettbewerbsfaktor Wissen: Managementpraxis von Wissen und Intellectual Capital in Deutschland« heißt die 30-seitige Kurzfassung einer großangelegten, repräsentativen Studie, in der 3401 Unternehmen aller Größen und Branchen den derzeitigen Ausbaustand ihrer Wissensmanagement-Strategien und -Aktivitäten bewerten.

Sie können diese 30-seitige Kurzfassung auf der Website des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) hier herunterladen (Stand: August 2011).

Prof. Peter Pawlowsky (TU Chemnitz) hatte die wesentlichen Ergebnisse dieser BMWi-Studie bereits am 19.05.2011 auf dem Berliner Kongress »Standortvorteil Wissen« vorgestellt.

Lange angekündigt, sollte die Langfassung dieser Studie eigentlich noch in diesem Jahr in Buchform erscheinen, allerdings verzögerte sich die Fertigstellung. Der etwa 220-seitige Herausgeberband firmiert unter dem Titel »Intellektuelles Kapital und Wettbewerbsfähigkeit« und ist beim Gabler-Verlag nun für Anfang August 2012 angekündigt. Als weiterer Herausgeber neben Pawlowsky kam Wissensbilanz-Pionier Leif Edvinsson hinzu.

Siehe dazu auch den Artikel: Kongress »Standortvorteil Wissen« in Berlin (4) vom 6. Juni 2011.

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Wissen, wie man Wissen managt

(jm)

Die aktuelle und zukünftige Bedeutung der unternehmerischen Ressource »Wissen« ist für kleine und mittelgroße Unternehmen kein einfach zu fassendes Phänomen. Mit dem soziohistorischen Übergang von der »einfachen« ersten Moderne zur wissensbasierten »reflexiven« Moderne versagten und versagen ihren Entscheidungsträgern »einfache« lineare Fortschreibungen bisher gültiger Annahmen, Definitionen, Erfahrungssätze und Gewissheiten. Das gilt nicht nur für bewusste und unbewusste Modelle und Konzepte rund um den »Produktionsfaktor Wissen«, sondern verstärkt auch für das Verständnis von Management an sich. Nicht wenige Industrie- und Handelskammern spüren den irreversiblen Wandel – und immer mehr reagieren.

»Gerade dem Mittelstand war es bisher nicht immer möglich, von den existierenden Modellen und Konzepten in ausreichendem Maße zu profitieren. Gerade deshalb beschäftigt sich die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer zu Hagen seit einigen Jahren verstärkt mit der Entwicklung von neuen Wissensmanagementkonzepten«, berichtet Hans-Peter Rapp-Frick, Hauptgeschäftsführer der SIHK zu Hagen, im aktuellen Newsletter »Weiterbildung aktuell«, Ausgabe 1/2010 (Download hier).

Als Absolvent des Blended-Learning-Lehrgangs »Wissensmanager (IHK)« bin ich für diese Newsletter-Ausgabe um einen Erfahrungsbericht gebeten worden (nachzulesen auf Seite 1):

Erfahrungsbericht eines Absolventen des Lehrgangs »Wissensmanager (IHK)«

»Mit dem Thema ›Wissen als unternehmerische Ressource‹ beschäftige ich mich ungefähr seit 1998«, berichtet Jörg Michael. »Als ich den Zertifikatslehrgang Wissensmanager im SIHK-Katalog sah, wusste ich sofort: Das ist mein Kurs.« Der gelernte Diplom-Kaufmann, Verlagskaufmann und Fachjournalist gehört zu den Absolventen des IHK-Zertifikatslehrgangs.

»Das Wissen der Mitarbeiter eines Unternehmens zu managen gehört zu den größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Da dieses Wissen jedoch von jedem Mitarbeiter individuell konstruiert wird und an die Person gebunden ist und bleibt, kann es nicht in der gleichen Weise gemanagt werden wie die klassischen Produktionsfaktoren«, fügt der 42-Jährige hinzu. »Es geht darum, das in den Köpfen verteilte Wissen – und besonders das implizite Wissen – über die Geschäftsprozesse in tatsächlichen Kundennutzen zu verwandeln.«

»Um meine Kompetenzen in diesem Bereich zu aktualisieren, habe ich 2008 den Blended-Learning-Lehrgang bei der SIHK Hagen belegt. Gerade das Zusammenspiel von Präsenztagen und Online-Vertiefung war uns als Lerngruppe sehr wichtig«, zieht Jörg Michael ein positives Fazit. »Insbesondere die vielfältigen Verknüpfungen zwischen der Wissensthematik und dem strategischen Managementinstrument der ›Wissensbilanz – Made in Germany‹ waren für mich neu. Unser Dozent, Robert Freund, hat uns dieses Neuland äußerst kompetent, humorvoll und mit zahlreichen thematischen Querverweisen nahe gebracht«, beschreibt Jörg Michael seine persönliche Lehrgangssicht.

Herausforderungen die Stirn bieten

Dabei blieb er nicht stehen: »Weil die Wissensstrategie eines Unternehmens und auch die Erkenntnisse aus einer ›Wissensbilanz – Made in Germany‹ heute stärker denn je in Form von Projekten durchgeführt werden, habe ich anschließend bei Robert Freund noch den weiteren Blended-Learning-Lehrgang ›Projektmanager (IHK)‹ belegt, um mich auch in diesem Kompetenzenbereich weiterzuentwickeln. Das ist doch eines der besten Komplimente für einen Dozenten«, fasst er seine gewonnenen Anregungen zusammen – und resümiert: »Ich empfehle beide Lehrgänge letztlich jeder Führungskraft, jedem Geschäftsführer oder Projektmanager, um auf die komplexen Herausforderungen der zunehmend projektbasierten ›Wissensgesellschaft‹ besser eingestellt zu sein.««

Mein Artikel ist ebenfalls in der »Südwestfälische Wirtschaft«, der Kammerzeitung der SIHK zu Hagen, in der Ausgabe 2/2010 auf S. 23 nachzulesen.

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Unsere nationale »Wissensbilanz« vor 44 Jahren

(jm)

Manchmal ist es spannend, der Frage nachzugehen, wann ein heute allgemein üblicher Begriff zum allerersten Mal in Sprachgebrauch oder Literatur auftaucht – und vor allem, in welchem Zusammenhang. Konzeptionelle Einbettung erfährt solche Forschungstätigkeit nicht zuletzt durch die »Theorie der schwachen Signale« nach Igor Ansoff: »Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus«, weiß der Volksmund – und er beschränkt diese landläufige Einsicht nicht auf unternehmerische strategische Frühaufklärung oder die betriebswirtschaftliche Disziplin des Risikomanagements.

Für einen Blog, der sich mit Wissensmanagement beschäftigt, bietet sich beispielsweise der Begriff »Wissensbilanz« an, wie er auch in der »Wissensbilanz – Made in Germany« anklingt. Also: Wer hat als erster den Begriff der »Wissensbilanz« verwendet? Wer hat’s erfunden? Vielleicht jemand aus der Wissensmanagement-Community? Falsch geraten. Es war Diether Stolze, Chef der Wirtschaftsredaktion der »Zeit«, in dem Zeit-Artikel »Mehr Geld für unsere Zukunft« vom 05.02.1965. Allerdings scheint er den Begriff der »Wissensbilanz« damals mehr im Sinne einer bundesdeutschen Außenhandelsbilanz für Patente und Lizenzen verstanden zu haben, denn er schreibt: »In der Tat: unser Land, das noch vor wenigen Jahrzehnten unter allen Nationen die größte Zahl naturwissenschaftlicher Nobelpreisträger aufzuweisen hatte, ist zum Kostgänger der Wissenschaft anderer Staaten geworden. Wir müssen heute mehr als dreimal soviel Geld für ausländische Lizenzen ausgeben, wie wir durch den Verkauf eigener Patente einnehmen: unsere ›Wissensbilanz‹ ist mit mehr als 500 Millionen Mark passiv.«

Diether Stolzes damaliges Verständnis von »Wissen« erklärt sich zwei Sätze später: »Aber kann das ein Trost dafür sein, daß wir heute in so hohem Maß gezwungen sind, Wissen zu importieren?« Heute wissen wir: Diese Vorstellung von Wissen als »Importware« in Form von Patentlizenzen verträgt sich nicht besonders mit dem Verständnis von Wissen als individueller, personengebundener Konstruktionsleistung.

Über die »Wissensbilanz« der BRD anno 1965 erfahren wir im nächsten Abschnitt: »Zum ersten Mal versucht nun die Bundesrepublik, sich über ihren Rückstand in Wissenschaft und Technik Rechenschaft abzulegen. Der „Bundesbericht Forschung I“, den Wissenschaftsminister Hans Lenz vorgelegt hat, bietet für jeden, der zu lesen versteht, auf 210 Seiten eine vernichtende Bilanz unserer Versäumnisse: heute fehlt es uns an allem, an Geld und an ausgebildeten Menschen.«

Kaum auszudenken, wenn diese Rechenschaftslegung schon damals auch die »weichen Erfolgsfaktoren« der BRD mit einbezogen hätte und mit Unterstützung der Toolbox der »Wissensbilanz – Made in Germany« möglich gewesen wäre – und es seitdem eine »Große Koalition« implementierungswilliger Politiker gegeben hätte …

 

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Selbstverständliches neu bewusst machen

»Es erscheint selbstverständlich und dennoch muß es unaufhörlich bewußt gemacht werden: Das Wissen, das sich hochqualifizierte Spezialisten auf eng begrenzten Gebieten verschaffen, wird immer ein isoliertes Wissen bleiben und niemals einen Wert an sich verkörpern können, sondern einzig und allein nur insoweit es in einer Synthese mit allen anderen Wissen zur Beantwortung dieser einen Frage beizutragen vermag: „Wer sind wir?“«

Erwin Schrödinger [1887-1961]

»Der auf sein Spezialgebiet konzentrierte wissenschaftliche Fachmann (Mathematiker, Historiker, Naturwissenschaftler) hört nicht gern, daß fundamentale Voraussetzungen seiner Denktätigkeit metaphysischer Natur sind.«

Wolfgang Stegmüller [1923-1991]

»Eine „Selbstgarantie“ des menschlichen Denkens ist, auf welchem Gebiet auch immer, ausgeschlossen. Vielmehr muß man bereits an etwas glauben, um überhaupt von Wissen und Wissenschaft reden zu können.«

Wolfgang Stegmüller [1923-1991]

»Da aber sah ich, daß den meisten die Wissenschaft nur etwas ist, insofern sie davon leben, und daß sie sogar den Irrtum vergöttern, wenn sie davon ihre Existenz haben.«

Goethe an Eckermann, 15.10.1825

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Wissen, was wirklich wichtig ist

buecher»Was ich den Zeitungen vorwerfe, ist, dass sie uns alle Tage auf unbedeutende Dinge aufmerksam machen, während wir drei- oder viermal in unserem Leben die Bücher lesen, in denen Wesentliches steht

Marcel Proust [1871-1922], Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

»Die Wahrheit ist, dass die Leute alles durch die Brille ihrer Zeitungen sehen, und wie könnte es anders sein, da sie ja persönlich weder von den betreffenden Persönlichkeiten noch Ereignissen Kenntnis haben

Marcel Proust [1871-1922], Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

»Die meisten Eltern interessieren sich nur für die Entwicklung oberflächlichen Wissens, das ihren Kindern angesehene Stellungen in einer korrupten Gesellschaft sichert

Jiddu Krishnamurti [1895-1986], Vollkommene Freiheit

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