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»Wissensbilanz – Made in Germany« erstmalig in Kiel

(jm)

Logo IWTDie Roadshow „Wissensbilanz – Made in Germany“ gastiert am 8. Oktober 2009 erstmalig in Kiel. Die IHK Schleswig-Holstein hat in Kooperation mit der InWaterTec 2009 die Roadshow zu dieser maritimen Messe- und Konferenzveranstaltung nach Kiel eingeladen. Mit den Roadshows will das Bundes­ministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen aufzeigen, wie das geschäftsprozessrelevante Wissen der einzelnen Mitarbeiter und im Unternehmen insgesamt besser dargestellt und genutzt werden kann.

Die vom BMWi initiierten, vom Arbeitskreis Wissensbilanz fachlich koordinierten und von der Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung (AWV) organisierten Veranstaltungen wollen das Erfahrungswissen über die Anwendung der „Wissensbilanz – Made in Germany“ auf eine breite Basis stellen und auch Multiplikatoren und Verbände in die Themen einer wissensorientierten Unternehmensführung einbinden.

Im Rahmen der InWaterTec 2009 informieren anerkannte Fachleute aus Theorie und Praxis darüber, wie sich die Erstellung einer Wissensbilanz gestaltet und wie sie eine gezielte interne Steuerung von Projekten und Initiativen zum verbesserten Management des intellektuellen Kapitals ermöglicht. Durch die Veranstaltung führt Herr Robert Freund.

Anhand von zwei erfolgreichen Praxisbeispielen und mit Hilfe der Software „Wissensbilanz-Toolbox“ erfahren die Teilnehmer, warum die Förderung und der gezielte Einsatz der Ressource Wissen heute ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Neben harten Fakten entscheiden zunehmend die sogenannten „weichen“ Faktoren wie z.B. Mitarbeiter-Know-how, interne Führungsstrukturen sowie Lieferanten- und Kundenbeziehungen über den wirtschaftlichen Erfolg.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenfrei. Sie findet von 13:30 bis ca. 17:00 Uhr auf der Kieler InWaterTec in Halle 400 statt.

Nähere Auskünfte zum Programm und den Referenten erhalten Sie von Herrn Dr. Stefan Rehm telefonisch unter 04 31 / 5 90 18 49 oder unter http://www.inwatertec.de. Anmelden können Sie sich ebenfalls bei Dr. Stefan Rehm, büro pm&b – dr.rehm: E-Mail:sr@pmb-rehm.de.

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Das Thema ‚Wissensbilanz‘ im Spiegel des Buchmarktes

Mal angenommen, Sie interessieren sich für Fachliteratur zum Thema »Wissensbilanz«, und Sie recherchieren den Suchbegriff daraufhin in der Online-Profisuche im Verzeichnis Lieferbarer Bücher (VLB) des Deutschen Buchhandels – was meinen Sie, wie viele Suchtreffer werden Sie erhalten? Probieren Sie es aus: Es sind 8 Treffer für den Suchbegriff »Wissensbilanz« und 5 weitere Treffer für den Plural »Wissensbilanzen« [Stand: 12.08.2009]. Das ist überschaubar; und es werden nur wenige Treffer mehr, wenn Sie den Suchbegriff als übergeordnetes Schlagwort eingeben statt als exaktes Stichwort. Schon etliche Treffer mehr erzielen Sie hingegen z.B. bei amazon – aber um welchen Preis: mehr studentische Haus- und Diplomarbeiten, umfangreichere  (und teilweise irreführende) Verschlagwortung, ausufernde Sortimentsbreite statt inhaltlicher Tiefe.

Für Themeneinsteiger besonders verwirrend: dass angesichts hunderter Methoden und Modelle zum Thema »Wissensbilanzierung« nicht einmal die Verlags- und Klappentexte verlässliche inhaltliche Orientierung darüber bieten, welches konkrete Modell der Autor eigentlich beschreibt. Eine tragfähige Positionierung sähe anders aus; hier sind Verlage, Verleger, Lektoren und Autoren ganz neu herausgefordert. Auch die empfehlenswerten Fachbücher des Arbeitskreises Wissensbilanz zur »Wissensbilanz – Made in Germany« würden meines Erachtens an Marktprofil und Kontur gewinnen, wenn dieser spezifische Qualitätsstandard auch erkennbar im Buchtitel bzw. Untertitel zum Ausdruck käme – und auch öfter mal im Buchtext selber! – und damit im Sprachgebrauch als Unterscheidungskriterium etabliert würde. Beispiel: »Handbuch Wissensbilanz – Made in Germany« statt nur »Handbuch Wissensbilanz«, da derartige sprachliche Unschärfen sich bis in fachjournalistische Rezensionen hinein fortpflanzen, aus denen zum Schluss gar nicht mehr hervorgeht, ob es sich beim Rezensionsthema um irgendeine beliebige »Wissensbilanz« handelt oder die definierte Methode »Wissensbilanz – Made in Germany« (hier ein Beispiel).

Zurück zum Suchergebnis für den exakten Suchbegriff »Wissensbilanz«: Buchhandelsweiter Spitzenreiter hinsichtlich Quantität von Buchtiteln mit dem Titel- und Themenbestandteil »Wissensbilanz« ist wohl derzeit der Publizist Jörg Becker, der ca. alle 2 bis 3 Wochen ein neues Buch zu veröffentlichen scheint: »Strategie-Check und Wissensbilanz«, »Wissensbilanz und Geschäftsplanung«, »Management-Cockpit der Wissensbilanz«, »Change Management und Wissensbilanz«, »Wissensbilanz mit Kundenbarometer«, »Mitarbeiterbefragung als Wissensbilanz-Seismograph«, »Data Mining als Wissensbilanz-Zubringer«; hinzu kommen verwandte Konzepte wie »Non Financial Standortbilanzen«, »Die Vermessung der Standorte«, »Personenbilanzen mit Intellektuellem Kapital«, »Marketingcontrolling und Intellektuelles Kapital«, »Wirtschaftsförderung und Standortanalyse«, »Bewerbung marktorientiert vorbereiten«, »Standortmarketing mit Qualitätsprofilen«, »Bewerbung mit Profil: Geschäftsgrundlage Personenbilanz«, »Strategischer Potential-Check des Standortes«, »Existenzgründer-Rating«, »Existenzgründer-Potential«, »Personalcontrolling mit Mitteln einer Personenbilanz« oder »Kultur- und Kreativwirtschaft im Netz der Standortfaktoren«. Ohne einer ausführlicheren Würdigung vorzugreifen: Positiv fällt auf, dass Beckers Bücher zwar einige konzeptionelle Grundlagen und Gedanken der »Wissensbilanz – Made in Germany« aufgreifen sowie Diagrammbeispiele aus der Toolbox enthalten; leider jedoch ausnahmslos ohne Quellenangaben, Fußnoten oder ein Literaturverzeichnis daherkommen. Interessant und ideenreich natürlich einerseits die Verknüpfung von »Wissensbilanzierung« mit Themen wie Standortwahl, Bewerbung, Personalcontrolling, Marketingcontrolling, Mitarbeiterbefragungen oder Data Mining, andererseits wirken die Titel durch den Komplettverzicht auf gängige wissenschaftliche Standards und ausschließliche Selbstzitate (!) relativ »freischwebend« und unverbunden mit dem jeweils aktuellen Sachstand der Debatte in der einzelnen Fachdisziplin. Hüben wie drüben also noch kein Anlass für die Vergabe von Höchstnoten …

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Wissensperspektive, BilMoG und Projektmanagement

(jm)

Mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) ist am 29.05.2009 die wohl größte Überarbeitung der handelsrechtlichen Bilanzierungsregeln in Kraft getreten, die der deutsche Gesetzgeber seit dem Bilanzrichtliniengesetz (1986) auf den Weg gebracht hat. Mit diesem Artikelgesetz verfolgt der Gesetzgeber laut Regierungsentwurf die Absicht, im Hinblick auf die internationalen IFRS »das bewährte HGB-Bilanzrecht zu einer dauerhaften und im Verhältnis zu den internationalen Rechnungslegungsstandards vollwertigen, aber kostengünstigeren und einfacheren Alternative weiterzuentwickeln, ohne die Eckpunkte des HGB-Bilanzrechts […] und das bisherige System der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung aufzugeben.«

Zu den wohl interessantesten Änderungen aus Sicht einer unternehmensbezogenen Wissensperspektive gehört die Änderung des § 248 Abs. 2 HGB, der das bisherige Aktivierungsverbot für selbst geschaffene immaterielle Gegenstände des Anlagevermögens lockert – und damit auf dem Weg zur wissensbasierten Gesellschaft der zunehmenden Bedeutung immaterieller Vermögensgegenstände im Wirtschaftsleben Rechnung trägt. Von diesem neuen Aktivierungswahlrecht profitieren insbesondere innovative Mittelständler sowie »Start-Up-Unternehmen« in dem Maße, wie sie durch aktivierungsfähige selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände ihre bilanzielle Außendarstellung und ihre Adressateninformation verbessern können.

Allerdings hebt der Gesetzgeber das bisherige Aktivierungsverbot nicht in vollem Umfang auf: »Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens«, die nicht entgeltlich erworben worden sind, bleiben auch nach der neuen Gesetzeslage weiterhin mit einem Aktivierungsverbot belegt. Der Gesetzgeber begründet dies damit, dass bei diesen selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen keine eindeutige rechnerische Abgrenzung der aktivierungsfähigen Aufwendungen zum selbst geschaffenen Geschäfts- und Firmenwert möglich sei. Um dem handelsrechtlichen Vorsichtsprinzip und dem Gläubigerschutz auch nach der neuen Gesetzeslage zu genügen, koppelt der neue § 268 Abs. 8 HGB diesbezügliche Gewinne mit einer Ausschüttungssperre.

Für die Bewertung ist (analog zu den IFRS) die Trennung von »Forschung« und »Entwicklung« entscheidend: Hier zog der neue § 248 Abs. 2 HGB natürlich Änderungen im § 255 HGB (Bewertungsmaßstäbe) nach sich. Hier definiert der Gesetzgeber nun im neuen Absatz 2a, ab welchem Zeitpunkt Herstellungskosten aktiviert werden können, die während der Entwicklung eines immateriellen Gegenstandes des Anlagevermögens anfallen:

»Herstellungskosten eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstands des Anlagevermögens sind die bei dessen Entwicklung anfallenden Aufwendungen nach Absatz 2. Entwicklung ist die Anwendung von Forschungsergebnissen oder von anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder die Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen. Forschung ist die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussagen gemacht werden können. Können Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden, ist eine Aktivierung ausgeschlossen.«

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage nach dem genauen Zeitpunkt des Übergangs von der Forschungs- zur Entwicklungsphase – die gleichbedeutend mit der Abgrenzung von »Forschung« und »Entwicklung« ist – entscheidende Bedeutung bereits für das professionelle Projektmanagement, denn lediglich die trennscharf zu erfassenden Entwicklungskosten dürfen überhaupt aktiviert werden. Der genaue Übergangszeitpunkt von der Forschungs- zur Entwicklungsphase ist daher in jedem Einzelfall gesondert zu dokumentieren (Meilenstein) und bilanzrechtlich zu beurteilen.

Der Wortlaut des neuen § 255 Abs. 2a HGB verdeutlicht darüber hinaus, dass das Aktivierungswahlrecht nicht erst auszuüben ist, wenn bereits ein selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstand des Anlagevermögens vorliegt, sondern die Aktivierung im Grunde schon bei der Entwicklung zu erfolgen hat. Dies wiederum setzt eine Zukunftsprognose des bilanzierungspflichtigen Unternehmens voraus, inklusive einer Aussage über die Einzelverwertbarkeit und den zukünftigen wirtschaftlichen Nutzen des  Vermögensgegenstandes. Im Zeitpunkt der Aktivierung – gleichsam ex ante – muss demnach mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden können, dass ein einzeln verwertbarer immaterieller Vermögensgegenstand des Anlagevermögens zur Entstehung gelangt. Dies erhöht die Anforderungen an professionelles Projektmanagement. Kann die zukünftige Vermögensgegenstandseigenschaft hingegen nicht bejaht werden, kommt die Aktivierung der Entwicklungskosten nicht in Betracht. Aufgrund des bisherigen Aktivierungsverbots ist zudem davon auszugehen, dass viele Unternehmen kostenrechnerisch noch nicht auf die genauen Anforderungen zur Ermittlung der aktivierungsfähigen Entwicklungskosten vorbereitet sind.

Fazit: Für das professionelle Projektmanagement gehört daher schon anno 2009 – neben vielen anderen Gesetzen – auch das neue BilMoG zu den Stakeholdern einer Stakeholderanalyse. Beziehen Sie am besten umgehend Ihren Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer mit in Ihre Forschungs- und Entwicklungsprojekte ein: Kann nämlich der Zeitpunkt des Übergangs von der Forschungs- zur Entwicklungsphase (Meilenstein) nicht hinreichend nachvollziehbar und plausibel dargelegt werden, d.h. sind Forschungs- und die Entwicklungshase nicht verlässlich trennbar, so sind alle angefallenen Aufwendungen für selbst erstellte immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens – dem Vorsichtsprinzip folgend – aufwandswirksam zu erfassen und nicht aktivierungsfähig.

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Unsere nationale »Wissensbilanz« vor 44 Jahren

(jm)

Manchmal ist es spannend, der Frage nachzugehen, wann ein heute allgemein üblicher Begriff zum allerersten Mal in Sprachgebrauch oder Literatur auftaucht – und vor allem, in welchem Zusammenhang. Konzeptionelle Einbettung erfährt solche Forschungstätigkeit nicht zuletzt durch die »Theorie der schwachen Signale« nach Igor Ansoff: »Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus«, weiß der Volksmund – und er beschränkt diese landläufige Einsicht nicht auf unternehmerische strategische Frühaufklärung oder die betriebswirtschaftliche Disziplin des Risikomanagements.

Für einen Blog, der sich mit Wissensmanagement beschäftigt, bietet sich beispielsweise der Begriff »Wissensbilanz« an, wie er auch in der »Wissensbilanz – Made in Germany« anklingt. Also: Wer hat als erster den Begriff der »Wissensbilanz« verwendet? Wer hat’s erfunden? Vielleicht jemand aus der Wissensmanagement-Community? Falsch geraten. Es war Diether Stolze, Chef der Wirtschaftsredaktion der »Zeit«, in dem Zeit-Artikel »Mehr Geld für unsere Zukunft« vom 05.02.1965. Allerdings scheint er den Begriff der »Wissensbilanz« damals mehr im Sinne einer bundesdeutschen Außenhandelsbilanz für Patente und Lizenzen verstanden zu haben, denn er schreibt: »In der Tat: unser Land, das noch vor wenigen Jahrzehnten unter allen Nationen die größte Zahl naturwissenschaftlicher Nobelpreisträger aufzuweisen hatte, ist zum Kostgänger der Wissenschaft anderer Staaten geworden. Wir müssen heute mehr als dreimal soviel Geld für ausländische Lizenzen ausgeben, wie wir durch den Verkauf eigener Patente einnehmen: unsere ›Wissensbilanz‹ ist mit mehr als 500 Millionen Mark passiv.«

Diether Stolzes damaliges Verständnis von »Wissen« erklärt sich zwei Sätze später: »Aber kann das ein Trost dafür sein, daß wir heute in so hohem Maß gezwungen sind, Wissen zu importieren?« Heute wissen wir: Diese Vorstellung von Wissen als »Importware« in Form von Patentlizenzen verträgt sich nicht besonders mit dem Verständnis von Wissen als individueller, personengebundener Konstruktionsleistung.

Über die »Wissensbilanz« der BRD anno 1965 erfahren wir im nächsten Abschnitt: »Zum ersten Mal versucht nun die Bundesrepublik, sich über ihren Rückstand in Wissenschaft und Technik Rechenschaft abzulegen. Der „Bundesbericht Forschung I“, den Wissenschaftsminister Hans Lenz vorgelegt hat, bietet für jeden, der zu lesen versteht, auf 210 Seiten eine vernichtende Bilanz unserer Versäumnisse: heute fehlt es uns an allem, an Geld und an ausgebildeten Menschen.«

Kaum auszudenken, wenn diese Rechenschaftslegung schon damals auch die »weichen Erfolgsfaktoren« der BRD mit einbezogen hätte und mit Unterstützung der Toolbox der »Wissensbilanz – Made in Germany« möglich gewesen wäre – und es seitdem eine »Große Koalition« implementierungswilliger Politiker gegeben hätte …

 

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