Bilanzierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen im Profisport

(jm)
In Zeiten der sog. »Globalisierung« kommt einer Rechnungslegung, welche ein aussagekräftiges und unverfälschtes Bild der Lage eines Unternehmens zeichnet, eine zunehmend größere Bedeutung zu.

Die Bundesregierung hat sich daher vor einigen Jahren dazu entschlossen, das Handelsrecht zu reformieren, was zur Verabschiedung des Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts, kurz Bilanzrechts­modernisierungs­gesetz (BilMoG) im Jahr 2009 führte. Dieses gestattete nun gem. § 248 Abs. 2 HGB erstmals den Ansatz selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände.

Verboten ist jedoch laut § 255 Abs. 2 S. 4 HGB (ähnlich wie in den IFRS) der Ansatz von Forschungskosten, lediglich Kosten für die Entwicklung dürfen angesetzt werden. Eine Branche, in der diese Neuregelung von praktischer Relevanz ist, stellt der Profifußball dar. Bilanziert wird nämlich nicht der Spieler selbst, sondern die (exklusive) Spielerlaubnis des Spielers für einen bestimmten Verein. Es liegt also ein immaterieller Vermögensgegenstand vor, für den sich der Begriff »Spielerwert« eingebürgert hat.

Die Bilanzierung als immaterieller Vermögens­gegenstand hatte zur Folge, dass nach altem Recht nur »Spielerwerte« für Spieler, die von anderen Vereinen aus laufenden Verträgen »herausgekauft« wurden, aktiviert werden konnten, da es sich nur hier um einen entgeltlich erworbenen immateriellen Vermögens­gegenstand handelte. Wurde jedoch ein Spieler aus der Jugendabteilung in die Lizenzmannschaft aufgenommen, lag kein entgeltlich erworbener immaterieller Vermögensgegenstand vor, sondern ein selbst geschaffener »Spielerwert«, der vor Verabschiedung des BilMoG nicht aktiviert werden durfte.

Max Marquard behandelt diese Forschungsfragen in seiner neu erschienenen Dissertation »Die Bilanzierung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen mit besonderer Berücksichtigung selbst geschaffener Spielerwerte« [2012]. In seiner Arbeit geht er ausführlich darauf ein, unter welchen Umständen ein selbst geschaffener »Spielerwert« nach den Vorschriften des BilMoG nun angesetzt werden kann und wie seine Zugangs- und Folgebewertung zu erfolgen haben. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei der klaren Abgrenzung zwischen Forschung und Entwicklung bei »Spielerwerten« zu. Im Projektmanagement stellt daher die trennscharfe Abgrenzung von Forschungs- und Entwicklungsphase besondere Anforderungen (Meilenstein).

Einmal mehr verdeutlicht auch die Arbeit von Marquard die steigende Bedeutung des Immaterialgüterrechts für Unternehmensbewertung, strategisches Controlling und betriebliche Rechnungslegung. Zudem können Sportvereine – ergänzend – von der strategischen Bewertungsmethode »Wissensbilanz – Made in Germany« nachhaltig profitieren.

Siehe dazu ergänzend auch den Artikel: Wissensperspektive, BilMoG und Projektmanagement (24.06.2009)

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Eingeordnet unter Projektmanagement, Rechtliche Aspekte, Wissensbilanz - Made in Germany

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