Das Thema ‚Emotionale Intelligenz‘ verbindet die Generationen

(jm)
»Emotionale Intelligenz« integriert nicht nur den erwachsenen Menschen zu einer reifen Gesamtperson, sondern verbindet auch die Generationen. Das zeigt ein neuer Gedichtband zum Thema »emotionale Intelligenz«, verfasst vom schwedischen Arzt, Künstler und Schriftsteller Björn Rosendal (88), der mit poetischer Kraft den Begriff der »emotionalen Intelligenz« bereits im Jahre 1976 (!) geprägt hatte. Co-Autorin des aktuellen Gedichtbandes »Kättaren och faunen« (Ketzer und Faun) ist die 60 Jahre jüngere Museumspädagogin Catharina Ohlsson.

Rosendal publizierte bereits 1977 im schwedischen Ärztefachblatt Läkartidningen den Aufsatz »En väl utvecklad känslomässig intelligens och ett visst mått av kreativitet«, 1980 folgte das Buch »Den känslomässiga intelligensen« (»Die emotionale Intelligenz«), 1981 dann auf Englisch das Bändchen »The Emotional Intelligence« – also deutlich vor Howard Gardners bahnbrechender Intelligenzrahmentheorie »Frames of Mind« (1983).

Spätere Publikationen speziell zur »Emotionalen Intelligenz« – beispielsweise von Peter Salovey, John D. Meyer und Daniel Goleman, um die wichtigsten Autoren zu nennen –, loteten das Konstrukt etwas ausführlicher und mit verschiedenen wissenschaftlichen Ansätzen aus, ohne sich allerdings auf die Begriffsurheberschaft und die Vorarbeiten Rosendals zu beziehen. Die deutschen Wikipedia-Beiträge klammern den initialen Beitrag Rosendals aus – und sind insofern schlichtweg unvollständig.

So lohnenswert die späteren wissenschaftlichen Beiträge auch unbestritten sind: Es darf angefragt werden, ob streng wissenschaftliche Abhandlungen über »emotionale Intelligenz« einem so intangiblen Thema überhaupt gerecht werden können. Es ist ja ähnlich wie bei »implizitem Wissen«, »Bauchentscheidungen«, dem »Gefühl für den Kunden«, dem »Blick für die Gesamtsituation«, dem »richtigen Händchen für die Maschine« oder der langjährigen Erfahrung mit einem bestimmten Werkzeug: ihre enorme ökonomische Bedeutung in der heutigen Arbeitswelt ist unbestritten »da«, das Untersuchte entzieht sich aber »wesensmäßig« weitestgehend dem strengen Forscherblick durch die Kriterien-Brille der verobjektivierenden Beobachtungsarrangements.

Ein Wissenschaftskonzept, das ausschließlich auf objektiv wiederholbares und von der Person losgelöstes, handhabbares Verfügungswissen abzielt, erscheint damit im heutigen Unternehmensalltag immer weniger brauchbar. Benötigt werden integrierte Konzepte, die multiple Intelligenzen (nach Howard Gardner) und multiple Kompetenzen mit einbeziehen (Rauner 2004, Freund 2011).

Nicht zuletzt: Emotionale Intelligenz im Arbeitsalltag ist mehr als das, was objektiv »gemessen« und mit Methoden »festgestellt« (= zum Stillstand gebracht?) werden kann. Kommt nicht also – dem Ansatz des »Storytelling« im Wissensmanagement damit durchaus verwandt – möglicherweise solch ein generationenübergreifender Poesieband dem eigentlichen Wesenskern der menschlichen »emotionalen Intelligenz« viel näher, als streng wissenschaftliche Abhandlungen dies je leisten könnten …?

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Fotonachweis: Die Wiedergabe des Fotos von Björn Rosendal und Catharina Ohlsson erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Fotografin Emma Gustafsson (hallandsposten.se).

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Eingeordnet unter Allgemeines / Tipps, Erwachsenenbildung, Kompetenzmanagement, Wissensmanagement

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