Kongress »Standortvorteil Wissen« in Berlin (4)


(jm)
»The ability to learn faster than your competitors may be the only sustainable competitive advantage« (Arie de Geus) – mit kaum einem passenderen Zitat hätte Prof. Peter Pawlowsky (TU Chemnitz) in seinem Vortrag beim Kongress »Standortvorteil Wissen« illustrieren können, worin für deutsche Unternehmen jener »Wettbewerbsfaktor Wissensmanagement« besteht, der der jüngsten BMWi-Studie [Mai 2011] den Namen gab: »Wettbewerbsfaktor Wissensmanagement 2010: Stand der Praxis in der deutschen Wirtschaft« (hier in Kurzfassung als PDF-Datei verfügbar). Die großangelegte repräsentative Unternehmensstudie umfasst eine realisierte Stichprobe von 3401 deutschen Unternehmen, die von August 2010 bis Januar 2011 zum Stand ihres Wissensmanagements (WM) und ihren zukünftigen Einschätzungen befragt wurden.

Wesentliche Ziele und Untersuchungsschwerpunkte dieser Studie:

  • den Stand des Wissensmanagements anhand der gängigen WM-Phasenmodelle repräsentativ in deutschen Unternehmen zu erfassen,
  • den zukünftigen Bedarf für WM-Ansätze repräsentativ in deutschen Unternehmen zu ermitteln,
  • die Bedeutung des Wissensmanagements bzw. der Steuerung des »Intellectual Capital« für Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen repräsentativ zu untersuchen, sowie
  • die relevanten Treiber für Wissensmanagement-Maßnahmen repräsentativ zu ermitteln.

Als maßgebliche »organisationale Fähigkeiten im Umgang mit Risiko, Komplexität und Dynamik« stellte Prof. Pawlowsky zunächst drei Begriffe vor:

  • Dynamic capabilities (»The firm’s ability to integrate, build, and reconfigure internal and external competences to address rapidly changing environments«, Teece / Pisano / Shuen 1997),
  • Resilience / Elastizität (»Fähigkeit eines Systems, die ursprüngliche Form anzunehmen, nachdem es gebogen, gedehnt oder verdichtet wurde«, Hollnagel et al. 2006),
  • Absorptive capacity (»The ability of a firm to recognize the value of new, external information, assimilate it, and apply it to commercial ends is critical to its innovative capabilities«, Cohen et al. 1990).

Die befragten Unternehmen sahen sich zukünftig am meisten in den folgenden Bereichen herausgefordert (in absteigender Bedeutung; Mehrfachnennungen waren möglich):

  • Qualitätswettbewerb (78 %)
  • Preiswettbewerb (75 %)
  • Gesetzliche Regelungen (55 %)
  • Innovationswettbewerb (54 %)
  • Personalknappheit (44 %)
  • Finanzierung (43 %)
  • Neue Technologien (42 %)
  • Kunden-, Vertriebs- und Lieferantenstruktur (42 %)
  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf (38 %)
  • Neue Internetanforderungen (36 %)
  • Demografiewandel (36 %)

Zentrale Ergebnisse der Studie (siehe S. 22)

Als wesentliches Studienergebnis zum Status quo der WM/ICM-Aktivitäten in der deutschen Wirtschaft ist festzuhalten, dass bei der Mehrzahl der 3401 befragten Unternehmen sich eine überragende Bedeutung von Wissensmanagement zur Kundenorientierung (Kontakte, Reklamation) und zur Fehleridentifikation und Kompetenzidentifikation im Unternehmen zeigt. So räumt ein Großteil der befragten Unternehmen dem »direkten Kundenkontakt« und der »Analyse und systematischen Auswertung von Kundenreklamationen« einen hohen Stellenwert ein. Über die Hälfte der befragten Unternehmen ordnen der »Analyse von Fehlern« und dem interpersonalen »Erfahrungsaustausch mit Kollegen und Vorgesetzten« und der »Identifikation von Mitarbeitern mit besonderen Kompetenzen« einen sehr hohen Stellenwert zu. Übereinstimmend mit dem Studienergebnis, dass die Einbindung von Mitarbeitern in strategischen Positionen zu den wichtigsten personalorientierten WM/ICM-Maßnahmen gehört, ist die Einplanung des Personals als strategische Ressource in den meisten deutschen Unternehmen als eine sehr wichtige HRM-Maßnahme anzutreffen. In einer Gesamtbetrachtung der Ergebnisse kristallisieren sich das Kundenwissen und das strategische Wissen der Mitarbeiter als die wichtigsten Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft im Umgang mit den intangiblen Ressourcen heraus.

Weitere Ergebnisse der Studie (Auswahl)

  • Wissensmanagement-Aktivitäten werden weniger von Betriebsgrößen und Branchen als von den Geschäftsstrategien und »Kernkompetenzen« der Unternehmen bestimmt,
  • Wissensmanagement ist besonders effektiv, um wissensintensive, stark personalgetriebene und qualitätsorientierte Wettbewerbsstrategien zu unterstützen,
  • Unternehmensleistung und Wissensmanagement sind stark voneinander abhängig,
  • Mitarbeitermotivation und Innovationsleistungen sind dort besonders stark ausgeprägt, wo aktives Wissensmanagement praktiziert wird,
  • Wissensmanagement und finanzieller Unternehmenserfolg gehen – über Betriebsgrößen und Branchen hinweg – eng miteinander einher.
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Eingeordnet unter Allgemeines / Tipps, Expertenpositionierung, Innovationsmanagement, Kompetenzmanagement, Strategieforschung, Unternehmenskultur, Wissensmanagement

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