Kongress »Standortvorteil Wissen« in Berlin (1)

(jm)

Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie (BMWi), Hans-Joachim Otto, eröffnete am 19.05.2011 in Berlin den Kongress »Standortvorteil Wissen«, der in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) organisiert wurde. Da nach Meinung vieler Experten die Entwicklung des rohstoffarmen Wirtschaftsstandortes Deutschland maßgeblich vom verfügbaren Wissen und von der Innovationskraft der Unternehmen abhängt, wollten die Veranstalter die Bedeutung der Unternehmensressource »Wissen« für die Unternehmen sowie für den gesamten Wirtschaftsstandort Deutschland unterstreichen.

Belegt wird die Bedeutung des »Intellektuellen Kapitals« und insbesondere des Wissensmanagements für den Unternehmenserfolg aktuell durch die Studie »Wettbewerbsfaktor Wissensmanagement 2010: Stand der Praxis in der deutschen Wirtschaft«, die im vergangenen Jahr vom BMWi in Auftrag gegeben worden war und von Prof. Peter Pawlowsky (TU Chemnitz) in einer weiteren Kongresspräsentation kurz vorgestellt wurde. Geplant ist, die Gesamtfassung der Studie noch im Laufe des Jahres in Buchform erscheinen zu lassen.

Bereits Ottos Eröffnungsrede verdeutlichte den Zusammenhang zwischen immateriellen Unternehmensressourcen, nachhaltiger Innovationskraft und Standortsicherung. Seine Rede daher hier nachfolgend im Volltext (es gilt, wie immer, das gesprochene Wort):

Sehr geehrter Herr Krumrey,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum Kongress »Standortvorteil Wissen« begrüße ich Sie sehr herzlich im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie!

Die Themen Wissen, Wissensmanagement und Wissensbilanz, um die es heute geht, sind für den Wirtschaftsstandort Deutschland von herausragender Bedeutung.

Eine erfolgreiche Zukunft unseres Standortes hängt ab von der Innovationskraft unserer Unternehmen.

Nur mit neuartigen Produkten können wir unsere Spitzenposition im globalen Wettbewerb sichern und Chancen für Wachstum und Beschäftigung erschließen.

Innovationen setzen Wissen voraus.

Deshalb ist Wissen zum entscheidenden Faktor in der Wertschöpfung von Unternehmen geworden.

Der 2005 verstorbene Peter Glotz hat den Begriff der »Dematerialisierung« geprägt.

Mit diesem Begriff bezeichnete er eine Entwicklung, bei der die Wertschöpfung immer wissensintensiver wird.

Intelligente Steuerungssysteme nehmen zu – Basis ist die wachsende Digitalisierung.

Der Prozess der »Dematerialisierung« geht immer weiter – und damit steigt auch die Bedeutung von Wissen stetig.

In vielen Unternehmen – gerade im Dienstleistungssektor – trägt das Intellektuelle Kapital heute mehr zur Wertschöpfung bei als die klassischen Produktionsfaktoren.

Gleichwohl galt lange Zeit selbst für Großunternehmen das geflügelte Wort
»Wenn Siemens wüsste, was Siemens weiß.«

Das hat sich deutlich geändert.

Für große Unternehmen ist Wissensmanagement heute eine Selbstverständlichkeit.

Wie das konkret bei einem Weltkonzern wie VW aussieht, werden wir heute aus erster Hand von Herrn Kalmbach erfahren.

Ganz anders sieht das Bild bei kleinen und mittleren Unternehmen aus.

Hier ist der systematische und effiziente Umgang mit der Ressource Wissen leider noch keineswegs die Regel.

Kein Geld. Keine Zeit.

So lautet die von kleinen und mittleren Unternehmen häufig vorgebrachte Begründung für ihre Enthaltsamkeit beim Thema Wissensmanagement.

Doch diese kurzfristige Sicht kann gefährlich werden.

Wenn beispielsweise zwischen Mitarbeitern das Wissen nicht systematisch ausgetauscht wird, oder wenn beim Ausscheiden des Firmenchefs Wissen nicht an den Nachfolger weitergegeben wird – dann steht gerade bei kleinen Unternehmen schnell die Existenz auf dem Spiel.

Auf Dauer sind nur wissensorientiert geführte Unternehmen erfolgreich.

Das Bundeswirtschaftsministerium hat deshalb bereits 2004 die Initiative »Fit für den Wissenswettbewerb« gestartet.

Mit dieser Initiative wollen wir die Verbreitung des Wissensmanagements im Mittelstand fördern.

Wir wollen die Unternehmen vom Wissensmanagement überzeugen.

Gleichzeitig bieten wir Unterstützung bei den ersten Schritten zur Umsetzung an.

Von 2004 bis 2012 fördern wir im Rahmen der Initiative »Fit für den Wissenswettbewerb« mehr als 30 Projekte mit insgesamt rund 17,5 Mio. Euro.

Anfangs ging es dabei hauptsächlich um die Entwicklung und Erprobung von neuen Lösungen und Methoden. 

Inzwischen steht der Transfer in die Praxis im Vordergrund.

Mit Unterstützung des Ministeriums wurde in den vergangenen Jahren eine Vielzahl innovativer Vorgehensweisen entwickelt und erprobt.

Diese helfen bei der Lösung konkreter Probleme im Unternehmen.

Bei Praktikern wie bei Wissenschaftlern finden sie große Anerkennung.

Trotzdem: Von einem Erfolg der Fit-Initiative wird man erst sprechen können, wenn es gelingt, diese Konzepte und Instrumente zu einer breiten Anwendung zu bringen.

Darum vor allem geht es auch beim heutigen Kongress.

Es ist erst ein knappes Jahr her, dass wir hier – im selben Raum – einen Kongress zum Wissensmanagement veranstaltet haben.

Die Reaktionen auf unsere Veranstaltung vor einem Jahr waren überaus positiv.

Nach wie vor erhalten wir Anfragen zu der letztjährigen Konferenz.

Dies hat uns darin bestärkt, das Thema Wissensmanagement auch dieses Jahr wieder mit einem Kongress aufzugreifen.

Die Zahl der Anmeldungen ist dieses Mal noch deutlich höher als im Vorjahr – auch das bestätigt uns in unserer Entscheidung.

Auf besonderes Interesse stoßen dieses Jahr die Ergebnisse einer höchst aktuellen Studie zum Thema Wissensmanagement.

»Wettbewerbsfaktor Wissensmanagement 2010: Stand der Praxis in der deutschen Wirtschaft« – so lautet der Titel der Studie.

Im vergangenen Jahr hat das Bundeswirtschaftsministerium Herrn Professor Peter Pawlowsky und seinen Mitarbeitern an der TU Chemnitz den Auftrag zu dieser Studie erteilt.

Mit der Studie wollten wir den aktuellen Bedarf für Wissensmanagement-Konzepte ermitteln.

Vor allem wollten wir aber empirisch abgesicherte Aussagen zur Bedeutung von Wissen und Wissensmanagement für Erfolg und Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Die Ergebnisse der Studie liegen jetzt vor.

Sie dürften alle Unternehmer und Manager überzeugen, die noch überlegen, ob Wissensmanagement ihr Unternehmen voranbringen kann.

Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Wissensmanagement-Aktivitäten und Unternehmenserfolg!

Die Studie belegt ihn.

Im globalen Wettbewerb ist Wissensmanagement ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Mehr als 3400 Unternehmen wurden im Rahmen der Studie befragt.

Beeindruckend ist die Zahl der Unternehmen, die planen, ihre Aktivitäten im Wissensmanagement künftig auszubauen.

So wollen 40 % der befragten Unternehmen künftig verstärkt Maßnahmen zur Erkennung strategischer Wissensdefizite vornehmen.

Gern würde ich Ihnen noch weitere Ergebnisse der Studie vortragen.

Denn sie bestätigen, dass wir mit unserer Initiative »Fit für den Wissenswettbewerb« richtig liegen.

Noch lieber überlasse ich aber diesen Part dem Mann, der das am besten kann – Herrn Professor Peter Pawlowsky, dem Autor der Studie.

Sein Vortrag ist Teil des nächsten Programmpunktes.

Meine Damen und Herren, anders als bei unserer Konferenz im Vorjahr steht diesmal ein Instrument des Wissensmanagements im Fokus – die Wissensbilanz.

Bei der Wissensbilanz handelt es sich um ein strategisches Managementinstrument, das die immateriellen Vermögenswerte einer Firma – das Intellektuelle Kapital – erfasst, bewertet und in strukturierter Form ausweist.

Immaterielle Vermögenswerte, wie zum Beispiel Patente und Urheberrechte, Qualifikationen der Mitarbeiter, gute Kundenbeziehungen sowie erfolgreiche Kommunikation nach innen und außen, sind nicht immer leicht greifbar.

Für den Unternehmenserfolg aber sind sie von großer Bedeutung.

Das Projekt »Wissensbilanz – Made in Germany« ist sicherlich eines der wichtigsten und erfolgreichsten Projekte unserer Fit-Initiative.

Jetzt steht das Projekt kurz vor dem Abschluss.

Für das Bundeswirtschaftsministerium, den Initiator und Finanzier dieses Projekts, war dies der Anlass für den heutigen Kongress.

Wir wollen einem breiten Fachpublikum vorstellen, was die »Wissensbilanz – Made in Germany« zu leisten vermag.

Dies kann sicherlich niemand besser als Unternehmer und Praktiker, die schon einmal eine Wissensbilanz erstellt haben.

Herrn Reinisch, Herrn Karnauchow und Herrn Fridrich danke ich daher für ihre Bereitschaft, heute Nachmittag von ihren praktischen Erfahrungen mit der »Wissensbilanz – Made in Germany« zu berichten.

Mit der »Wissensbilanz – Made in Germany« haben wir ein sehr wirkungsvolles und inzwischen auch bewährtes Instrument geschaffen.

Und wenn ich wir sage, dann beziehe ich ausdrücklich das Fraunhofer-Institut IPK in Berlin ein.

Im Auftrag des Ministeriums hat das Institut über Jahre das Wissensbilanz-Konzept fortentwickelt.

Der Chef des mit dem Projekt befassten Fraunhofer-Teams, Herr Professor Mertins, wird als nächstes zu Ihnen sprechen.

Sehr geehrter Herr Professor Mertins,
ich möchte die Gelegenheit nutzen und Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herzlich für die gute Arbeit in den vergangenen Jahren danken!

Das Ergebnis der Arbeit ist eine sehr wirkungsvolle und gebrauchstaugliche Lösung insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

Wir wissen von mehr als 1000 Wissensbilanzen, die nach der Methode »Wissensbilanz – Made in Germany« erstellt wurden.

Die Wissensbilanz-Toolbox mit der dazugehörigen Software wurde über 100.000 Mal nachgefragt.

Darauf sind wir auch ein wenig stolz.

Und dafür werben wir aus voller Überzeugung bei denen, die wir mit unseren Aktivitäten zum Wissensmanagement unterstützen wollen.

Klarstellen möchte ich allerdings auch:
Wir haben die Wissensbilanz nicht erfunden.

Das Fraunhofer-Team konnte auf Vorarbeiten insbesondere aus dem skandinavischen Raum und aus Österreich aufsetzen.

Der Erfinder der Wissensbilanz ist heute aber unter uns.

Sehr geehrter Herr Professor Edvinsson,
ich begrüße Sie sehr herzlich hier im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin!

Meine Damen und Herren,
bei den Diskussionen und Präsentationen heute steht die Wissensbilanz im Mittelpunkt.

Unsere Initiative »Fit für den Wissenswettbewerb« umfasst daneben noch eine Reihe weiterer Projekte.

Das Spektrum reicht von technischen Lösungen des Wissensmanagements und  eLearning-Konzepten bis hin zur Gestaltung wissensförderlicher Unternehmenskulturen und ausgewählten Branchenlösungen.

Ein Tag ist leider zu kurz, um sie Ihnen alle hier vorzustellen.

Wir möchten Ihnen aber Gelegenheit geben, auch über die anderen Projekte mehr zu erfahren.

Dazu veranstalten wir einen so genannten Wissensmarkt gleich nebenan im Eichensaal.

Ich bitte Sie herzlich: Nutzen Sie die Pausen und besuchen Sie die Info-Stände der Fit-Projekte auf dem Wissensmarkt!

Die Verantwortlichen aus den Projekten freuen sich auf den Erfahrungsaustausch mit Ihnen.

Fragen Sie nach, welche Lösungen für Ihr Unternehmen die Projekte anbieten können!

Und damit wende ich mich wieder an Herrn Krumrey, der uns heute durch das Programm führen wird.

Sehr geehrter Herr Krumrey, ich freue mich, dass Sie heute die Moderation übernommen haben!

Als stellvertretender Chefredakteur sind Sie mit dafür verantwortlich, dass die »Wirtschaftswoche« den Themen Wissensmanagement und Wissensbilanz sehr aufgeschlossen gegenübersteht.

So bietet die »Wirtschaftswoche« auf ihrem Portal »wiwo.de« einen Wissensbilanz-Schnelltest an.

Dabei kooperieren Sie mit unserem Projekt »Wissensbilanz – Made in Germany«.

Allen hier im Saal, die erste praktische Erfahrungen mit der Wissensbilanz machen möchten, empfehle ich diesen Schnelltest.

Meine Damen und Herren,
ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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