Was ist die wichtigste Verantwortung eines Managers? (1)

(jm)
Erst gestern habe ich es wieder aus dem Regal genommen: »Die chaordische Organisation« [2001] von Dee Hock, dem Gründer und früheren CEO der VISA-Card. Ich musste es noch einmal nachlesen. In Kapitel 4 berichtet Hock von einer Frage, die er unzähligen Gruppen und Kollegen während seines Berufslebens wieder und wieder stellte: »Was ist die wichtigste Verantwortung im Management, bzw. was ist die wichtigste Verantwortung eines Managers?«

Hock erhielt auf diese Frage Tausende von einfallsreichen Antworten, die sich im weitesten Sinne meist »top-down« um die Ausübung von Autorität drehten. Als Essenz seiner Berufserfahrung – als Innovator und als erfolgreicher CEO von VISA – wählt Hock jedoch einen anderen Betrachtungsansatz (S. 70-71, Hervorhebungen von mir):

Die erste und wichtigste Verantwortung eines jeden, der zu managen vorgibt, besteht darin, sich selbst zu managen: die eigene Integrität und den eigenen Charakter, Ethik, Wissen, Weisheit, Temperament, Worte und Taten.

Dies ist eine komplexe, unendliche, unglaublich schwierige Aufgabe, vor der man sich gern drückt. Das Management des Selbst ist etwas, worauf wir wenig Zeit verwenden und bei dem wir uns selten auszeichnen, denn es ist viel schwieriger, als das Verhalten anderer zu bestimmen oder zu kontrollieren.

Ohne Selbstmanagement ist niemand geeignet, Autorität auszuüben, soviel er davon auch erwerben mag. Je mehr Autorität man erworben hat, desto gefährlicher ist man.

Dem Selbstmanagement sollten wir die Hälfte unserer Zeit und unserer Fähigkeiten widmen. Wenn wir das tun, stellen sich die ethischen, moralischen und spirituellen Elemente des Selbstmanagements von selbst ein.

Provokant übersetzt in Zahlen: 50 % unserer beruflichen (!) Zeit und unserer Fähigkeiten, unserer Ressourcen, Kompetenzen und Energien im Management – gemäß Hocks Empfehlung reserviert für die komplexe Aufgabe »Selbstmanagement«.

Fragt man die Leute nach der zweitwichtigsten Verantwortung eines Managers, bekommt man wieder eine erstaunliche Vielfalt von Ansichten zu hören, die wieder nach unten blicken. Noch ein Fehler. Die zweite Verantwortung liegt darin, die zu managen, die Autorität über uns haben: Chefs, Vorgesetzte, Direktoren, Controller und so weiter.

In einer organisierten Welt gibt es stets Menschen, die Weisungsbefugnis über uns haben. Wie können wir ohne ihre Zustimmung und Unterstützung unseren Überzeugungen folgen, Urteile abgeben, kreative Fähigkeiten umsetzen, konstruktive Ergebnisse erzielen oder Bedingungen schaffen, unter denen andere das gleiche tun können?

Das Management der Vorgesetzten ist unbedingt notwendig. Es ist nicht zuviel, wenn wir dieser Aufgabe ein Viertel unserer Zeit und unserer Bemühungen widmen.

Wiederum übersetzt in Zahlen: 25 % unserer beruflichen (!) Zeit und unserer Bemühungen, unserer Ressourcen, Kompetenzen und Energien im Management – reserviert für die komplexe Aufgabe »Management der Personen und Beziehungen, die Autorität über uns haben«.

Spannende Frage: Wäre das auch Ihre Reihenfolge gewesen?

Und: Sind Sie schon gespannt auf die Reihenfolge der dritt- und der viertwichtigsten Verantwortung eines Managers … ?

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