Kulturveränderung als Führungsaufgabe

(jm)

Unter dem Titel »Neues Denken – Neues Führen – Neues Arbeiten: Die Landesverwaltung als Wettbewerbsfaktor für den Lebens- und Wirtschaftsstandort NRW« fand am 6./7. Dezember 2001 in der Akademie Mont-Cenis in Herne das dritte Symposium zur Verwaltungsmodernisierung statt.

Moment mal, 2001 – ist das nicht längst »Schnee von gestern«? Keineswegs, zumindest nicht, was den hochkarätigen Vortrag des Schweizer Unternehmenskulturberaters Michael Löhner anbelangt: »Menschlichkeit im Management – Kulturveränderung als Führungsaufgabe« (hier als 47-seitige PDF-Datei verfügbar). Gerade für Wissensmanager lohnt es sich, unter dem unternehmerischen Blickwinkel »Kulturgestaltung als Wissensgestaltung« bzw. »Kontextgestaltung als Wissensgestaltung« Löhners (nach wie vor aktuellen) Vortrag immer mal wieder zur Hand zu nehmen und Schlussfolgerungen für den eigenen Alltag abzuleiten.

Einen Ansatzpunkt für Wissensmanagement finden Sie beispielsweise auf S. 30/31, wo Löhner die Bedeutung einer positiven organisationalen Vertrauenskultur hervorhebt und sinngemäß ausführt: Immer wo Menschen in einer Organisation mit Informationen umgehen, haben sie es mit prinzipiell unvollständiger Information zu tun. Der einzelne Mensch benötigt zu seiner Orientierung eine individuell verschiedene Menge und Qualität an Information – den unbekannten Rest generiert er sich individuell-motivational selber, wohl meist unbewusst. Jeder Mensch spekuliert den prinzipiell unbekannten Orientierungsrest hinzu. Und: In einer von Misstrauen geprägten Unternehmenskultur spekulieren Menschen tendenziell negativ hinzu, in einer von Vertrauen geprägten Unternehmenskultur spekulieren Menschen tendenziell positiv hinzu. Informationsmängel sind nach Löhner daher in den wenigsten Fällen über Informationsoptimierung zu beheben – und noch weniger über Informationssysteme und Datenbanken. Große Daten- und Informationsmengen kaschieren vielmehr in Unternehmen oft nur die unterschwelligen Beziehungsschäden, die uneingestandenen Animositäten, die tiefsitzenden Vertrauensmängel. Die Gleichung: »Mehr Information = mehr Vertrauen« geht nicht auf.

Nach Löhner stellt sich vielmehr die bleibende unternehmerische Aufgabe, durch Kontext- und Kulturgestaltung die motivationale Qualität der »Spekulation« und des »Hinzuspekulierten« zu verbessern – und hierüber die Orientierungs- und Realitätsdichte des Wissens. Und last but not least: Die Qualität dieser individuellen »Spekulation« und des individuell »Hinzuspekulierten« ist mitbedingt durch das individuelle psychosoziale Wohlbefinden von »Führenden« und »Geführten«.

Wer an dieser psychosozialen Ressourcenverantwortung für die Ressource »Vertrauen« vorbeigeht, die auch im Vortragsthema »Menschlichkeit im Management – Kulturveränderung als Führungsaufgabe« mitschwingt, dürfte bereits mittelfristig ein vordergründiges »Kostenproblem« bekommen – wenn es nicht bereits vor der Tür steht und ins Haus drängt ….

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Eingeordnet unter Kompetenzmanagement, Organisationales Hochleistungsmanagement, Unternehmenskultur, Wissensmanagement

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