Standortvorteil »Mensch«


(jm)

massdesmenschenWer sich vor Gesellschaftern und Investoren in Quartalszahlen und traditionellen Bilanzrelationen verantworten muss, weist Ressourcen mit der Zeit unüberlegter, hektischer, ja kurzschlussartiger zu. Kurzschlussartiger als jemand, der langfristig, d.h. in Quartalsjahrhunderten planen darf – und der daher in den eigentlichen, echten, nachhaltigen, wirklich renditestarken Standortfaktor investieren wird: in charakterstarke Menschen, die es lernen, produktiver als bisher zum Nutzen ihrer Kunden und Mitmenschen ressourcen- und gesundheitsorientiert mit unstrukturierter Information und »unstrukturierten Wissensträgern« umzugehen. Solche Menschen sind, unabhängig von ihrer Funktion oder Hierarchieebene, wohl weltweit der wesentliche »Knappheitsfaktor« wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Prosperität.

Dieser Wechsel der Sichtweise dürfte für manches Unternehmen derart radikal (= »an die Wurzel gehend«) sein, dass er verglichen werden kann mit einer »Bekehrung vom Saulus zum Paulus«. Unternehmen, in denen – lebensganzheitlich betrachtet – täglich Ressourcen verschwendet werden, z.B. durch Grabenkämpfe, Statusgerangel, Abteilungsegoismen, Schikanen, Animositäten, gegenseitiges Ignorieren und soziale Inkompetenz, werden es in Zukunft schwerer haben, selbst durch »aufgehübschte« Bilanzrelationen und sogar börsliche Notierungsgewinne ihre Mitwelt noch davon zu überzeugen, bei ihnen würden echte »Wertsteigerungen« geschaffen – im Gegenteil. Destruktives Verhalten in all seinen Schattierungen – auch im Top-Management – kostet Unternehmen mehr, als ihnen der soundsovielte Reengineering- oder Change-Prozess je bringen könnte. Ihre »Kostenprobleme« entpuppen sich langfristig als bloße Oberflächensymptome tiefer liegender Übel. Den »immateriellen Werten« dieser Unternehmen werden ihre »materiellen Werte« früher oder später im Sinkflug folgen – inklusive Börsennotierung.

Zukünftig gefragt – wie gegenwärtig selten – sind also »innere Standortvorteile« der Wissenswertschöpfung in selbstorganisierten, charakterstarken, sozial erfahrenen Menschen, die sich als einzelne »Kompetenzvorteile« weder kaufen, herstellen, organisieren, produzieren noch wirklich von Mensch zu Mensch »vermitteln« lassen. Gute, integre, selbstverantwortete »Innensteuerung« im Umgang mit eigenem und fremdem Wissen ist stets ein »höchstpersönliches Geschäft« des Gewissens, lässt sich also weder machen, garantieren noch befehlen. Auch nicht arbeitsvertraglich festlegen oder mit Zeitkonten erfassen.

Meist steuern den Menschen seine äußeren und inneren Umstände, äußere Moden und Meinungen uniformieren das private und berufliche Dasein, und unmerklich verharrt der Einzelne im außengesteuerten Pauschalverhalten: »Nur nicht anecken« wird in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit eines »Kondratieffabschwungs« zur gelebten Devise – im Büroalltag, im Bewerbungsgespräch, im Projekt, im gesamten Karriereverhalten. »Bloß nicht auffallen« – und dadurch eventuell den Job verlieren. Menschen und Unternehmen sind vielfach weniger veränderungsbereit, als sie selber hoffen. Bequemlichkeit, Angst vor falschen Entscheidungen oder vor Jobverlust treibt die einen in die Arme vorgefertigter, »mundgerecht portionierter« Meinungshäppchen einer medialen Ablenkungsindustrie oder in die anonyme Kollektivfürsorge, die anderen hingegen in die individualistische Existenzwühlerei oder in die verantwortungslose Selbstverwirklichung auf Kosten anderer – letztlich in immer neue Formen außengesteuerter, unproduktiver Entpersönlichung. Wo also sollen neue Basisinnovationen, wo soll  kreativer, gesellschaftlich nutzbringender Umgang  mit unstrukturierten Informationen geistig entstehen?

Die unkritische Übernahme sekundärer Lebensentwürfe – »Leben aus zweiter Hand« auch und gerade in Unternehmen – befähigt jedoch noch keinen Wissensarbeiter zu jenem notwendigen Maß an schöpferischer Innensteuerung, um zum Wohl der Weltgesellschaft im Dialog mit anderen Wissensträgern die Probleme von morgen und übermorgen lösen zu können. Es ist an der Zeit, dass Investoren in die wahren Werte investieren – in die Ermöglichungsbedingungen für eine Zunahme produktiverer Formen menschlicher Kooperationsfähigkeit. Schlagwortartiges »in Bildung investieren« greift vielschichtig zu kurz. Wie viele hochbegabte Kinder, die Problemlöser von morgen, mögen durch fehlgesteuerte Bildungssysteme schon zur Überangepasstheit normiert worden sein, anstatt im Bereich ihrer individuellen Stärken gefördert? Oder in den sog. »Entwicklungsländern« schon z.B. an Unterernährung gestorben sein, noch bevor sie durch ihre Hochbegabung zur Prosperität auch der »ersten Welt« überhaupt beitragen konnten?

Was dem entgegensteht: Diese langfristigen Überlegungen und Entwicklungen passen nicht in die krude Quartalslogik von Fondsanalysten, Portfoliotheoretikern und Ratingagenturen. Bis sie selbst von den ökonomischen Gegebenheiten dazu gezwungen werden, umzudenken …

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Eingeordnet unter Innovationsmanagement, Kompetenzmanagement, Organisationales Hochleistungsmanagement, Projektmanagement, Rechtliche Aspekte, Strategieforschung, Unternehmenskultur

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