Robert Sutton: The »No Asshole Policy«

(jm)

Ich verdanke dem amerikanischen Stanford-Professor Robert Sutton wesentliche Einsichten in das Ausmaß des Wertschöpfungsverlustes, der Jahr für Jahr weltweit durch narzisstische Egomanen in Führungspositionen entsteht. Im renommierten HBR (»Harvard Business Review«) präsentierte Management-Experte Sutton seine Ideen erstmals im Februar 2004 in einem kleinen Essay mit dem Titel »More Trouble Than They’re Worth« (Mehr Ärger, als sie wert sind).

Sutton hatte sich zu früh gefreut, als er dachte, der distinguierte HBR würde sich nie trauen, einen Fachartikel zu veröffentlichen, in dem acht Mal (!) jenes emotional-intuitive Wort »asshole« vorkommt. Suttons Analyse überzeugte jedoch die Fachjury – und traf den Nerv des Management-Publikums. Binnen kürzester Zeit wurde Sutton mit Zuschriften geradezu überschüttet.

Überwiegender Tenor: Mobbing durch »Vollzeit-Arschlöcher« in Führungspositionen, organisationale Wertschöpfungsverluste, Dauer-Intrigen gegen vermeintliche Rivalen, Abgänge und Entlassungen fähiger Mitarbeiter, kündigungsresistente »Vollzeit-Arschlöcher«. Und »amtliche Arschlöcher«, die wiederum andere »amtliche Arschlöcher« einstellen, weil »gleich und gleich sich gern gesellt«.

Der Management-Professor forschte weiter. Im Dialog mit seinen Lesern entstand so das Buch »The No Asshole Rule – Building a Civilized Workplace and Surviving One That Isn’t«. Suttons scharfsichtige Analyse ist im Deutschen erhältlich unter dem Titel »Der Arschloch-Faktor: Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten in Unternehmen« [2006]. Ein Test zur Selbsteinschätzung mit 24 Fragen ist online verfügbar. Inzwischen mehren sich in den USA die Firmen, die in ihre Statuten bereits eine »No Asshole Policy« aufgenommen haben.

Begünstigt werden geld- und machtgetriebene »Vollzeit-Arschlöcher« gerade in und durch Organisationen, die sich überwiegend über rein finanzielle Kennziffern verstehen und steuern. Wer dort isolierte finanzielle Indizes steigern kann, wird befördert und honoriert, auch wenn seine destruktive Persönlichkeit das Leistungsniveau ganzer Abteilungen untergräbt, das immaterielle Unternehmensvermögen systematisch mindert und den Krankenkassen bzw. der Allgemeinheit die Folgekosten seines gesundheitsschädlichen Handelns aufbürdet.

Aufgrund ihrer »strategischen Unternehmenserfolge« bleiben »Nieten in Nadelstreifen« auf diese Weise länger in Top-Positionen, als es ihren tatsächlichen Wertschöpfungsbeiträgen entspricht – bekanntlich sind »Nieten« schon im Werkzeugbau definiert als »nicht-lösbare Verbindungen«.

Der Bezug zum Wissensmanagement? Auch wenn Robert Sutton nicht explizit aus dem Blickwinkel der Wissens-Wertschöpfung schreibt, zeigt er doch um vieles klarer als andere Autoren der »knowledge community«, wo Wissens-Wertschöpfung nicht entsteht, warum sie dort nicht entsteht, wie sie dort nicht entsteht, und vor allem – durch wen sie dort (trotz temporärer Gewinnzahlen oder Projekterfolge) nicht entsteht. Bereits der Titel des Buches fasst den betriebs- und volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsverlust in einem einzigen Faktor zusammen – dem »Arschloch-Faktor«.

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Eingeordnet unter Organisationales Hochleistungsmanagement, Unternehmenskultur, Wissensmanagement

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