Was wir wissen, ist ein Tropfen …

»Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean
[Sir Isaac Newton, 1643-1727]

Es lohnt sich, sich diesen Größenvergleich immer wieder vor Augen zu führen. Diese Metapher mahnt zur Bescheidenheit im Urteil und zur Bereitschaft, bisheriges Wissen immer wieder zu aktualisieren, zu revidieren, tiefer zu hinterfragen. Wissen kann Lernprozesse blockieren, wenn es lediglich statisch – quasi als »handhabbarer Festbestand« – aufgefasst, »gemanagt« und »bilanziert« wird.

Gleichzeitig kann ein Satz wie dieser – gleichsam als Lebens- oder Unternehmensmotto – dazu motivieren, hinter den Grenzen der persönlichen »Einzeltropfen« den »Ozean des immateriellen, organisationsübergreifenden Gesamtwissens aller Beschäftigten, Lieferanten und Kunden« zu sehen und zu erschließen, der in Unternehmen meistens nur zum geringsten Teil bekannt ist, geschweige für die Optimierung der organisationalen Wertschöpfungsketten nutzbar gemacht.

Ob Newton schon damals klar war, dass die »Wissensgesellschaft« seiner Zeit – auch wenn sie diesen Namen noch nicht trug – zum größten und überwiegenden Teil eine »Nichtwissensgesellschaft« war? Vielleicht nicht, aber: Ist es uns Heutigen klar, dass sich an Newtons Größenordnungsmetapher im Grunde nichts geändert hat? Dass, aus der Sicht jedes einzelnen Wissensschöpfers gesehen, der »Tropfen einer Wissensgesellschaft« unhintergehbar dem »Ozean einer Nicht-Wissensgesellschaft« gegenübersteht?

Und in welchem Umfang unsere »Informationsgesellschaft« eine »Desinformationsgesellschaft«, eine »Des-Edukationsgesellschaft«, »Unwissenheitsgesellschaft«, ja »Ignoranzgesellschaft« geworden ist – und immer mehr zu werden scheint? Die daher für jeden einzelnen als »Risikogesellschaft« erhebliche Risiken birgt, denen ein »persönliches Wissens-, Nichtwissens- und Ignoranzmanagement« als Kompetenz risikosenkend gegenüberstehen müsste?

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