Spezialisierung im Fachjournalismus heute (2)

(jm)

»Das Thema Spezialisierung ist in der journalistischen Praxis so alt wie der Journalismus selbst. Die Wissenschaft hat sich mit diesem Thema bislang jedoch weder theoretisch noch empirisch allzu intensiv auseinandergesetzt«, sagte Prof. Dr. Beatrice Dernbach, Studiendekanin und Professorin für Journalistik an der Hochschule Bremen, auf der Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, DGPuK-Fachgruppe Journalistik und Journalismusforschung.

Aus großen Studien sei bekannt, so Dernbach weiter, dass von Journalisten grundsätzlich neben Vermittlungskompetenz auch journalistische Fachkompetenz und Sachkompetenz (in einem Ressort / Fachgebiet) erwartet werde. Jedoch könne nicht erklärt werden, wie diese Kompetenzen erworben werden, wie sich die Dreiteilung in journalistischen Angeboten widerspiegelt und wie eine Spezialisierung beispielsweise in Form von Fachjournalismus erklärt werden kann.

Fazit: Im Fach- wie Allround-Journalismus fehlt es also weiterhin weitflächig an tragfähigen theoretischen Bestimmungen und praktischen Umsetzungshilfen für jene – ebenso häufig bemühten wie schlagwortartig verkürzt gebrauchten – Begriffe wie z.B. Fachkompetenz, Sachkompetenz und Vermittlungskompetenz.

Was ist aber »Kompetenz«, »multiple Kompetenz« [Rauner 2004] oder gar »multiple fachjournalistische Kompetenz«? Schließt man sich Erpenbeck [2004] an und versteht zunächst unter »Kompetenz« eine Fähigkeit zur Selbstorganisation bzw. eine »Selbstorganisationsdisposition« – beispielsweise als persönliche wissensbasierte Autonomiesteigerung, Strukturgebungsfähigkeit und mentale Innenkomplexitätszunahme zur zielgerichteten ethischen und sozialen Bewältigung einer zunehmenden Außen- und Weltkomplexität –, so gewinnt der schwammige Kompetenzbegriff an Profil, Kontur und Brauchbarkeit.

Oder noch pointierter auf den Punkt gebracht: »Kompetenzen werden von Wissen fundiert, durch Werte konstituiert, als Fähigkeiten disponiert, durch Erfahrungen konsolidiert und aufgrund von Willen realisiert« [Erpenbeck/Scharnhorst 2004].

Wie aber können diese wissensfundierten Fähigkeiten gezielt beeinflusst und gestärkt werden, in eine fachjournalistische Spezialisierung eingebracht, oder gar als fachjournalistische Expertenpositionierung aufgebaut werden? Davon in späteren Blogbeiträgen mehr.

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Eingeordnet unter Expertenpositionierung, Fachjournalismus, Kompetenzmanagement

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