Eine Investition in Wissen …


(jm)

»Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen
[Benjamin Franklin, 1706-1790]

Pointierte Aphorismen wie dieser überraschen durch ein originelles Werturteil und ihre ungewohnte Perspektive, die hier aus der Übertragung investitionstheoretischer Begriffe auf das Phänomen »Wissen« resultiert.

Der Satz ruft oft allgemeines Kopfnicken hervor – und reizt trotzdem zum Widerspruch: Wie beobachte und messe ich das? Schließlich definiert die BWL eine Investition als eine Zahlungsreihe, die mit einer messbaren Auszahlung beginnt und der auf einem Zeitstrahl messbare Einzahlungen zugeordnet werden können, um dann mittels statischer oder dynamischer Methoden deren Vorteilhaftigkeit gegenüber anderen Investitionen zu ermitteln.

Geht das also überhaupt im strengen Sinne des Wortes? Ist das nicht ein Kategorienfehlgebrauch, »in Wissen investieren«? Oder doch nur investieren in Lernbedingungen und didaktische Strukturen, die mir – konstruktivistisch gesehen – lediglich die Konstruktion meines eigenen Wissens ermöglichen helfen, bzw. als Impulse zur Aktualisierung und Dynamisierung vorhandener Konstrukte dienen können? Und wie messe ich dann die »besten Zinsen«?

Herausfordernd ist für mich in Franklins Satz das Wort »immer«, das gleichsam eine stets überprüfbare, wissenschaftlich nachweisbare Ursache-Wirkungs-Beziehung unterstellt. Es ist ja nicht damit getan, einfach finanzielle Mittel in die Hand zu nehmen und in »immaterielle Investitionen« (z.B. Ausbildungsmaßnahmen, Lizenzen, Patente) einzukleiden.

Im Sinne der Wissenstreppe bedeutet Wissenszuwachs noch keine Handlungskompetenz oder gar eine quasi-automatische Renditegarantie. Auch ein Kinobesuch könnte ja im weitesten Sinne eine »Investition in Wissen« sein – aber die »besten Zinsen« bringt dieser Kinobesuch wohl nur einem Filmkritiker, der gelernt hat, die Einzigartigkeit seiner persönlichen Wettbewerbsvorteile zielgerichtet in bestplatzierten Kritiken zur Geltung zu bringen und dieses komplexe Können bestmöglich als »Persönlichkeitsmarke« zu monetarisieren.

Vom genauen »Wie« lohnender »Investitionen in Wissen«, besser noch, »Investitionen in Ermöglichungsräume für Wissensarbeiter und förderliche Strukturen interner Wissensteilung«, scheinen Microsoft, Google & Co. mehr zu verstehen als alle, die niedrigere Renditen und Börsennotierungen aufweisen …

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Eingeordnet unter Kompetenzmanagement, Wissensmanagement

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