Spezialisierung im Fachjournalismus heute (1)

(jm)

»Ausdifferenzierung der Lebenswelten« heißt das Stichwort. Das Publikum journalistischer Angebote zersplittert in immer kleinere Interessengruppen. Medienhäuser und Verlage reagieren auf die Segmentierung in Mikro-Märkte – und zwar mit zunehmender Spezialisierung ihrer Printtitel und publizistischen Internetangebote: Nahezu jedes irgendwie vermutete Publikumsinteresse wird mit einer Fülle und Vielfalt von Publikationen, Periodika und Medien bedient. Bisherige »Special-Interest-Titel« entwickelten und entwickeln sich zu»Very-Special-Interest-Titeln«. Parallel bröckeln seit Jahren die verkauften Auflagen der meisten regionalen und lokalen »Allround-Tageszeitungen«.

Neben den klassischen journalistischen »Allround-Publikationen« – mit einem periodischen Mix aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport – haben sich eine Vielzahl fachlich zunehmend spezialisierter Journalismusformen etabliert; beispielsweise für Angler, Surfer, Segler, Yachtliebhaber, Eisenbahner, LKW-Modellbauer, PC-Freaks, Keyboarder, Weinkenner, Gourmets, Uhrensammler, Marathonläufer, Aktienkäufer, Gartenliebhaber – um nur einige von Tausenden zu nennen.

Auch der klassische »berufsständische Fachjournalismus« – etwa für Juristen, Steuerberater, Betriebswirte oder Pädagogen – differenziert sich heute deutlich stärker aus als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Im Internet boomen fachlich hochspezialisierte Weblogs, Videoblogs und Podcasts, und auch Rundfunk, Fernsehen und Videoanbieter entdecken zunehmend differenziertere Zielgruppensegmente, Fachsparten und Nischenthemen. Der Weg vom Nischenmarketing zum interaktiven One-to-One-Marketing ist dann nicht mehr weit.

Leider hinkt derzeit die fachjournalistische Forschung noch zu weit hinterher, um Überblick, Orientierung und Erklärungswert in der schier unüberschaubaren fachjournalistischen Medienlandschaft anbieten zu können.

Noch fehlen sie – jene Monographien und Periodika, die sich wissenschaftlich fundiert, kompetent, aktuell, praxisbezogen und leserfreundlich mit den positiven wie negativen Informations- und Wissensaspekten der »Ausdifferenzierung der Lebenswelten« befassen, und hierbei in gesellschaftlich nutzbringender Weise das Wichtige und Wesentliche zu trennen vermögen vom Unwesentlichen, Unnützen und Unwichtigen.

Hierfür brauchen wir mehr Ideen und Ideale, mehr Innovationen und Inventionen – und nicht nur Ideologien.

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Eingeordnet unter Fachjournalismus, Innovationsmanagement

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