Fachjournalismus – eine Grundstruktur

(jm)

»Fachjournalismus ist Qualitätsjournalismus. Er sucht eine optimale Balance zwischen Sach-, Medien- und Publikumsgerechtheit. Dafür sind drei Kompetenzen erforderlich: vertieftes Sachverständnis, mehrmediale Kompetenz und eingehendes Zielgruppenwissen. Mit diesem Dreiecksbezug ist die bestmögliche Wirkung fachjournalistischer Darstellungen zu sichern.

Für ein hinreichend vertieftes Sachverständnis wird nicht nur ein einschlägiges Studium benötigt, sondern ein kontinuierlicher Kontakt zu dem entsprechenden Fach bzw. der Fächerzone und Expertenmilieus. Die Grundlage unserer Wissensgesellschaft sind heute nicht mehr Einzelfächer, sondern Fächerzonen oder Expertennetzwerke.

Auch in der Wissenschaft haben heute viele zukunftsweisende Arbeitsfelder einen Bezug zu mehreren Fachdisziplinen – z.B. die Nanotechnologie, die Bio-Chemie, die Agrar- und Umweltwissenschaft oder auch die Kommunikationswissenschaft. Mehrmediale Kompetenz wird gebraucht, weil die Medien heute immer stärker zusammenwachsen – am stärksten im Internet. Das Zielgruppenwissen muss systematisch sein; es kann nicht nur auf eigener Erfahrung oder auf informellen Annahmen beruhen. Fachjournalisten müssen in der Lage sein, mehrere Zielgruppen zu bedienen, d.h. ihre Fachkenntnisse zielgruppengerecht vermitteln zu können.

Wichtig ist außerdem, dass Wissenschaften und andere Expertenmilieus nicht nur Kompetenzzentren für bestimmte Sachverhalte sind, sondern auch kommunikativ und medial eine jeweils eigene Kultur entwickelt haben. Sie unterscheidet sich stark von den allgemeinen journalistischen Grundsätzen und Praktiken.

Fachjournalisten müssen daher genau genommen über drei Grundqualifikationen verfügen: Sie müssen einerseits die Kommunikations- und Darstellungsweisen der sachverständigen Experten kennen (z.B. der Wissenschaftler); sie müssen andererseits die allgemeinen journalistischen Grundsätze und Arbeitsweisen beherrschen, und sie müssen drittens zwischen diesen unterschiedlichen Kommunikations- und Medienkulturen vermitteln können.

Für Fachjournalistinnen und Fachjournalisten gibt es typischerweise zwei unterschiedliche Arbeitsfelder und Positionen: Entweder sie sind in der journalistischen Praxis in Publikums- beziehungsweise Fachmedien tätig oder in der Wissenschaft in einem spezifischen Arbeitsfeld, wie zum Beispiel den Naturwissenschaften. Sie können aber auch eine besondere Rolle in allgemeinjournalistischen Projektteams spielen, die ressortübergreifend ein größeres Thema bearbeiten.

Unsere Wissensgesellschaft hat immer mehr Bedarf an bereichsspezifischen fundierten Informationen und Kompetenzen. Der Allround-Journalismus kann diesen Bedarf nicht befriedigen, zumal er mit immer dünnerer Personaldecke arbeiten und unter hohem Zeitdruck sehr verschiedene Themen bearbeiten muss. Der steigende Bedarf an fachjournalistischer Kompetenz wird auch durch die zunehmende Verbreitung der elektronischen Spartenmedien und die starke Ausdifferenzierung der Fachmedien verursacht. Außerdem werden fachjournalistische Qualifikationen in der Wirtschaft, in Verbänden und in internationalen Organisationen benötigt.« – (Prof. Dr. Siegfried Quandt, Präsident des DFJV)

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Eingeordnet unter Fachjournalismus, Kompetenzmanagement

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